Montag, 28. März 2016

Bräuche zum Fest: die Sorben

Ostern bei den Nachbarn

Auf der Suche nach interessanten Osterbräuchen habe ich mich einmal in der mitteldeutschen Region umgeschaut. Ich lebe in Sachsen-Anhalt und bin davon überzeugt, dass die neuen Bundesländer sehr viel zu bieten haben. Gerade im Kulturbereich könnt ihr im mitteldeutschen Raum einiges entdecken. Natürlich sind die Osterbräuche in ganz Deutschland ähnlich: Eier bemalen, suchen und schließlich verputzen. Gerade für die Kinder ist es ein großer Spaß durch den Garten zu stromern und nett angerichtete Osterkörbchen zu suchen. Es gibt zahlreiche Ostermärkte, wo ihr euch mit regionalen und selbstgemachten Produkten eindecken könnt. Wohnungen und Gärten werden dekoriert und begrüßen auf diese Art den Frühling. Ebenso zählen Kochen, Backen und beisammen sein zu den Ostertagen.
In meiner Familie ist es Tradition, dass meine Mama und ich gemeinsam die Eier färben. In diesem Jahr wollte ich etwas neues ausprobieren, und wie es der Zufall so wollte, fand ich in der neuen Landlust einen Artikel über sorbische Ostereier. Die Eier sehen nicht nur wunderschön aus, sondern sind auch mit einer sehr interessanten Technik verziert worden. Doch bevor ich euch davon erzähle, stelle ich euch meine "Nachbarn", die Sorben, vor.


Die Sorben

Die Sorben sind ein westslawisches Volk, das in der Ober- und Niederlausitz in den Ländern Sachsen und Brandenburg lebt. Sie sind in Deutschland als nationale Minderheit anerkannt und haben neben ihrer eigenen Sprache und ihrer Kultur eine offiziell anerkannte Flagge und Hymne. Sorben sind zumeist deutsche Staatsangehörige.
Die Sorben, auch Wenden genannt (diese stammen noch aus der römischen Zeit), gehören zu den slawischen Volksstämmen, die sich im 6. Jahrhundert u.a. im Spreewald ansiedelten und bis heute untrennbar mit der Region verbunden sind. Im Spreewald fällt vielerorts die Zweisprachigkeit der Beschilderungen ins Auge.
Von der sorbischen Sprache existieren zwei Schriftsprachen, Obersorbisch und Niedersorbisch, jedoch wird meistens zwischen Niedersorbisch, Obersorbisch und der Gruppe der dazwischenliegenden Grenzdialekte unterschieden. Während das Obersorbische dem Tschechischen und Slowakischen näher steht, ist das Niedersorbische dem Polnischen ähnlicher. Hier kann man gut die Verbindung zu unseren Nachbarländern erkennen.
Es haben sich viele Bräuche erhalten, vor allem das Osterreiten, die Vogelhochzeit und das traditionelle Bemalen von Ostereiern. Auch eigene Trachten zeichnen die Sorben aus. Zahlreiche slawische mythologische Vorstellungen sind heute noch lebendig, wie zum Beispiel die Mittagsfrau. Sie erscheint an heißen Tagen zur Mittagszeit, besonders zur Ernte, und verwirrt den Menschen den Verstand. Sie lähmt ihnen die Glieder, fragt sie zu Tode oder tötet sie, indem sie ihnen mit der Sichel den Kopf abschneidet. Die von der Mittagsfrau Heimgesuchten können sich nur retten, indem sie ihr bis ein Uhr von der bäuerlichen Arbeit, insbesondere von der Flachsverarbeitung, erzählen. Nach Ablauf der Ruhestunde zwischen zwölf und eins verliert die Mittagsfrau ihre Macht. Doch für das Osterfest ist das Bemalen der sorbischen Ostereier besonders reizvoll und weniger blutrünstig.

Quelle: pixabay.com

Sorbische Ostereier

Das Verzieren von Ostereiern ist ein fester Bestandteil der Osterbräuche der Sorben. Ähnlich wie bei anderen slawischen Völkern zeichnen sich die Eier durch eine besonders kunstvolle und aufwändige Verzierung aus. Diese Muster sollen im Volksglauben bestimmte magische Effekte auf den Beschenkten haben. Traditionell wird ein Hühnerei bemalt. Es gilt als Ursprung des Lebens und ist daher in erster Linie ein Fruchtbarkeitssymbol. Auch im Christentum setzte sich der Brauch des Verschenkens von Eiern zu Ostern als ein Zeichen für den Glauben an die Auferstehung Jesu Christi durch.
In den Gebieten der Mittel- und Niederlausitz galt der Karfreitag seit der Reformation als Feiertag. Das Bemalen der Eier galt nicht als Arbeit, und so entstanden die verzierten Eier, die am darauf folgenden Ostersonntag mitsamt einigen Süßigkeiten den Kindern überreicht wurden. Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus ein gegenseitiges Beschenken mit verzierten Eiern unter Familienmitgliedern und Freunden. Zudem wurden die Eier auch zu weiteren Anlässen wie Hochzeiten oder Kindstaufen verschenkt. Sie dienten in diesem Zusammenhang einfach als Symbol des persönlichen Glückwunsches.
Es gibt einige Grundtechniken zum Einsatz. Die Ätztechnik ist die älteste Verzierungstechnik, daneben gibt es die Wachsreserviertechnik. Die Bossiertechnik ähnelt der Wachsreserviertechnik, außerdem gilt die Ritztechnik als aufwändigste und filigranste Verzierungstechnik. (Wer mehr über die einzelnen Techniken wissen möchte, schaut bitte HIER nach).
Quelle: pixabay.com
Die Ornamentik orientiert sich an traditionellen Formen wie Symmetrie, Rhythmik und Gleichgewicht. Auf den Eiern findet man häufig die Sonne als Symbol des Lebens. Daneben werden aber auch dreieckige Formen aufgebracht, die an die Trinität oder die Familie mit Vater, Mutter und Kind erinnern sollen. Man findet aber auch den Lebensbaum, der Fruchtbarkeit und Wachstum symbolisiert. Passend zur Osterzeit werden Symbole wie das Kreuz oder das Lamm aufgebracht. Gelegentlich findet man Landschaftsdarstellungen oder sorbische Sprichwörter.
Die Farbgestaltung der sorbischen Ostereier unterliegt einer langjährigen Tradition. So gilt die rote Färbung als Symbol für Macht und Magie, aber auch für Liebe und Freundschaft. Zur Färbung der Eier verwendet man in der Regel Naturfarbstoffe. Um einen braunen Farbton zu erzielen, werden Zwiebelschalen genutzt; für schwarze Farben dagegen Erlenzapfen oder Walnussschalen. Die rote Farbe wurde mit Hilfe der Rotbuche, dem Brasilholz oder der Koschenille erzeugt. Chemisch erzeugte Farben haben den Vorteil, dass sie sowohl mit kaltem wie auch mit warmem Wasser eingesetzt werden können.

Sorbische Ostereier á la Selbstsein

Ich habe mich für die Wachsreserviertschnik entschieden. Auch wenn man dafür etwas mehr Materialien braucht, erschien sie mir dennoch als ein guter Einstieg, um diese Tradition auszuprobieren. Das Ei wird vor dem Auftragen von Farbe mit heißem Wachs betupft. Durch das Wachs werden die entsprechenden Flächen „reserviert“ und die Farbe bleibt nicht haften. Dadurch kann man durch auftragen des Wachses entsprechende Muster erzeugen. Ursprünglich benutzte man zu diesem Zweck Gänsefedern, deren Spitzen zu einer bestimmten geometrischen Form gefeilt wurden, um einfache Muster zu erzeugen. Um Punkte und Striche auf dem Ei aufzubringen, werden Stecknadeln mit unterschiedlich großen Glasköpfen in Holzstäbchen oder Bleistifte gesteckt. Soll das Ei mehrfarbig werden, so legt man das Ei nach dem Betupfen mit Wachs in eine lauwarme Farblösung und bedeckt (reserviert) anschließend die nächste Farbe. Das aufgetragene Wachs kann später auf dem fertigen Ei verbleiben oder erwärmt werden, damit man es ganz leicht mit einem Tuch abwischen kann.

Natürlich wären Naturfarbstoffe ideal, leider für mich ein noch recht unbekanntes Gebiet. Also begrenze ich mich auf Kaltfarben und alle Farbnuancen, die Tee oder Kaffee hergeben. Gerade Tee und Kaffee sind schnell aufgebrüht und ergeben schöne natürliche Farben. Wir haben Stecknadeln, Pinsel und Holzspieße verwendet, um das Wachs aufzutragen. Das ist gar nicht so einfach. Ihr braucht eine sehr ruhige Hand und vor allem Übung. Sucht euch am besten einfache Muster aus, wie Punkte und Striche. Diese könnt ihr, wie es euch beliebt, kombinieren. Überlegt euch am besten vorher, was ihr zeichnen wollt. Ich hatte mir im Voraus ein paar Muster angesehen und Bilder ausgedruckt. Jedoch habe ich beim arbeiten schnell gemerkt, dass diese Art der Verzierung eine hohe Kunst ist - viel zu ausgefallen, um sie beim ersten Versuch auch nur annährend zu beherrschen. Also habe ich mich mit einfachen Mustern begnügt. Je mehr Eier ich verziert habe, desto besser kam ich mit den unbekannten Arbeitsgeräten zurecht. Es ist anscheinend alles eine Übungssache. Um jedoch ansatzweise an die hochwertigen sorbischen Kunstwerke heranzukommen, hätte ich hunderte von Eiern bemalen müssen. :) Mir hat es trotzdem viel Spaß gemacht und ich kann behaupten, dass niemand sonst solche Ostereier besitzt.



In diesem Sinne wünsche ich euch einen ruhigen und sonnigen Ostermontag.



1 Kommentar:

  1. Sind echt cool geworden!
    Ich mein, du bist ja schon echt talentiert... wie lange man wohl braucht, um solch eine Kunst auf ein Ei zu bringen, wie es die Sorben tun?
    Wirklich der Wahnsinn.
    Bei mir war fürs Ostereier machen irgendwie keine Zeit. Wenn ich dann einmal Kinder habe hole ich das alles nach :D

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