Mittwoch, 21. Dezember 2016

Aus Anki’s Schreibstube: Auf der Suche nach sich selbst.

Die Rauhnächte



Es ist nun wieder an der Zeit: die Wintersonnenwende steht bevor. Heute haben wir die längste Nacht des Jahres vor uns. Diese nutze ich für ein paar Gedanken zum bevorstehenden Jahreswechsel. Langsam geht das Jahr zu Ende. Auch wenn gerade in der Vorweihnachtszeit ein wenig Stress und Anspannung herrscht, so sollten wir uns ein wenig Zeit für uns nehmen. Viele funktionieren ab einem gewissen Grad nur noch. Heutzutage sind wir zu sehr in weltliche Angelegenheiten verstrickt. Oft fällt es schwer ein wenig Ruhe zu finden, weil wir vieles für wichtiger erachten. Wir stehen unter Strom und glauben unsere Aufgaben in der vorgegebenen Zeit nicht erledigen zu können. Irgendwann ist man dann müde und ausgelaugt, bei manchen zeigt sich dies sogar im gesundheitlichen Zustand. Ich persönlich habe dann immer mit Verspannungen in Nacken- und Schulterbereich zu kämpfen, teilweise schlägt mir Stress sogar auf den Magen. Und deshalb habe ich überlegt, wie ich einen Gang zurück schalten und mir dies auch im kommenden Jahr immer wieder vor Augen halten kann.

Schon letztes Jahr habe ich mir das Buch »Das Wunder der Rauhnächte« von Valentin Kirschgruber gekauft. Ich war fasziniert von der tiefen Verbundenheit zu Tradition, Mythen und Rituale. Früher blieb den Leuten nichts anderes übrig, als sich ein wenig zu besinnen und inne zu halten. Arbeiten auf dem Acker konnten aufgrund des Winters nicht verrichtet werden und die Tage waren viel zu kurz und zu dunkel, um stundenlang am Spinnrad sitzen zu können. Also saß man im Kerzenschein zusammen, erzählte sich Geschichten, sang oder machte Ordnung. Haus und Hof wurden ausgeräuchert, um schlechte Energien zu verjagen. Damals gab es kein Fernsehen oder Internet, auch keinen Strom oder diverse andere Annehmlichkeiten.
In den Bergen und in vielen Dörfern gibt es solche Traditionen und viele Geschichten, die die Alten erzählen können. In der Großstadt kenne ich sowas nicht. Gerade des-halb übt es wahrscheinlich so eine Faszination und teilweise sogar Unglauben auf mich aus. Es gibt so viele Dinge zwischen Himmel und Erde, die uns verborgen bleiben, sogar der eigene Geist verschließt sich vor den ganzen schlechten Energien. Für mich ist es also an der Zeit, von der Theorie über die Rahnächte in die Praxis zu gehen. Dabei möchte ich keinesfalls irgendwelche Traditionen oder Rituale nachahmen oder alles mitnehmen, was an den Rauhnächten möglich wäre. Ich möchte einfach für mich einen Weg entwickeln die Rauhnächte zu bestreiten - wie es für mich richtig anfühlt. Und daran möchte ich euch teilhaben lassen

Vielleicht möchtet ihr euch mit mir gemeinsam auf die Reise begeben, die Sinne ein wenig auf das legen, was abseits vom Alltag ist. In der schnellebigen Zeit ist es ent-spannend Geschichten, Sagen und Mythen zu lauschen oder einfach beisammen zu sein. Zu schnell laufen Märchen und Traditionen Gefahr verloren zu gehen. In dieser dunklen und kalten Jahreszeit könnt ihr euch wesentlichen Fragen widmen:

Was ist mein Weg?
Warum bin ich hier?
Was wird die Zukunft bringen?
Wie wirken sich meine jetzigen Entscheidungen auf die Erfüllung meiner Träume aus?
Was steht im nächsten Jahr an?

Beschäftigen wir uns mit Märchen, Träumen, Räuchern oder Meditationen so können wir persönlichen Erkenntnissen immer näher kommen, denn in der Zeit der Rauhnächte verlieren Raum und Zeit ihre scharfen Konturen. Wir erhalten einen neuen Blick auf unsere Wirklichkeit und verbringen Momente ohne Sorgen, Grübeln und Planen. Des Weiteren ist es gut, ein wenig Abstand vom modernen Leben zu gewinnen und sich dem Rhythmus der Natur wieder etwas mehr anzupassen. Dabei ist es gleich, ob ihr gedankenverloren aus dem Fenster blickt oder durch die stille verschneite Landschaft wandert. Hauptsachen man entkommt dem Lärm der Welt.

Aber was sind die Rauhnächte überhaupt?
Als Rauhnächte werden die 12 Tage und Nächte vom 25. Dezember bis zum 06. Januar gezählt. Einige weiten diese Zeitspanne noch aus und zählen zum Beispiel den 21. Dezember mit rein - die Wintersonnenwende. (Das ist auch er Grund, warum ich den heutigen Tag für die Vorbereitungen für die Rauhnächte genutzt habe.)
Aber warum gerade diese Zeit?
Das hat etwas mit den Mond- und Sonnenkalendern zu tun. Das Sonnen- und Mondjahr ist nicht gleich. Der Mond braucht 354 Tage, um wieder an derselben Stelle am Himmel zu stehen. Die Sonne benötigt 365 Tage. Also sind 12 Nächte (und 11 Tage) über. Dieser Zeitraum wird benötigt, um Sonne und Mond für‘s neue Jahr wieder in Einklang zu bringen. Es handelt sich um die Zeit zwischen den Jahren. So gesehen handelt es sich um geschenkte Zeit. Es wäre also sinnvoll diese Zeit zu nutzen, um uns etwas Gutes zu tun und uns auf das neue Jahr vorzubereiten. Jede Rauhnacht steht für einen Monat. Die erste Rauhnacht steht mit dem Januar in Verbindung, die zweite mit dem Februar usw. Was an diesen Tagen geschieht oder ihr in Träumen seht, kann für den entsprechenden Monat ausschlaggebend sein. Ich möchte es ausprobieren, da das nächste Jahr für mich sehr anstrengend werden wird. Ich werde meine Masterarbeit schreiben und wer weiß: vielleicht gibt mir mein Unterbewusstsein einige Hinweise oder ich habe die solange erhoffte Idee. Ruhe finden, der ständigen »akustischen Umweltverschmutzung« entkommen. Gerade für mich in der Stadt ist der ständige Krach ein Problem. Die Geräusche von Autos, Laster, Sirenen und Baustellen sind allgegenwärtig. Warum also nicht die Rauhnächte zum innehalten nutzen und etwas zur Ruhe zu kommen, bevor das neue Jahr beginnt?
Es ist wichtig auch einmal still zu werden und nach außen und in sich selbst zu lau-schen.

Meine persönlichen Rauhnächte:

Während ich das Buch von Herrn Kirschgruber zu wiederholten Male las, überlegte ich, was für mich in Frage kommen würde. Wofür würde ich wirklich Zeit finden, worauf möchte ich mich einlassen. Ich möchte vom 25. Dezember bis zum 06. Januar ungefähr eine Stunde meines Tages den Rauhnächten schenken. Ich werde Meditieren, Yoga machen, meine Großeltern nach Geschichten fragen, spazieren gehen, feste Rituale einbinden (Tee am Abend), Räuchern, mir Entspannungsbäder gönnen, ein Traumtagebuch führen und in mein Rauhnachttagebuch schreiben. Letzteres habe ich eigens für die Rauhnächte gebastelt. Es hat Platz für Text und Fotos und einen Umschlag, um weitere Notizen oder wichtige Dinge darin zu verstauen. Zudem werde ich meine Erfahrungen und Gedanken auf dem Blog und der Facebookseite mit euch teilen. Für diejenigen unter euch, die mit mir die Rauhnächte beschreiten wollen, habe ich folgenden Hinweis: Ihr müsst nicht eigens für die Rauhnächte ein Buch basteln. Ein gekauftes Notizbuch (oder ein paar Seiten Papier, die ihr in einen Umschlag packt) reicht völlig aus, um eure Gedanken, Begegnungen und Gegebenheiten festzuhalten. Wer weiß schon, ob ihr einer zufälligen Begegnung zur großen Silvesterfeier nicht irgendwann mal eine Bewerbung schicken wollt. Da wäre es doch gut, den Namen und eventuell Kontaktdaten notiert zu haben.




Meine Vorbereitungen:
- Ich habe als erstes in meiner Wohnung ein wenig Ordnung gemacht. Wer soll sich schon in großer Unordnung entspannen. :)

- Ich habe eingekauft. Fehlende Kerzen und Räucherwerk habe ich besorgt, damit ich sie an entsprechender Stelle zur Hand habe.

- Ich habe ein Tagebuch gebastelt. Für die Träume werde ich mir aber einfach ein paar Blätter neben das Bett legen.

- Ich habe einige Rituale gesammelt und vorbereitet. Ihr braucht nicht unbedingt neue Rituale nehmen. So etwas wie Bleigießen an Silvester oder das Abschießen von Raketen sind Rituale, denen eigentlich fast alle nachgehen, ohne sie zu hinterfragen. Für andere ist der Neujahrsspaziergang ein Ritual. Ihr müsst jetzt nicht nackt ums Lagerfeuer springen. ;) Findet die Rituale, die zu euch passen und die ihr auch gerne durchführen wollt.



Bei meinen Recherchen bin ich auf ein Ritual gestoßen, von dem ich schon Teile kannte, aber die Komplexität sich mir erst erschloss, nachdem ich ein Video darüber gesehen habe. Es nennt sich Transformations-Ritual und soll euch helfen, euer Leben neu auszurichten. Was eignet sich nicht besser für einen Wendepunkt eurer gedanklichen Ausrichtung als die Wintersonnenwende an sich? Es beginnt etwas Neues. Und wenn ihr etwas aus dem vergangenen Jahr habt, was ihr loslassen wollt, dann könnt ihr es mit folgendem Ritual tun. Hierfür braucht ihr eine feuerfeste Schale und gleichgroße Zettel ... und natürlich einen Stift. Als erstes macht ihr es euch gemütlich, macht euch einen Tee, entzündet eine Kerze, werft euch in bequeme flauschige Sachen. Dann schreibt ihr einzeln auf die Zettel auf, was euch dieses Jahr gestört hat, womit ihr nicht zufrieden wart oder was nicht so gut gelaufen ist. All dass, was ihr ins Positive transformieren wollt, wo ihr etwas anders machen wollt, schreibt ihr auf. Für ein Thema ein Zettel. Diese Zettel faltet ihr und legt sie in die Schale. Wenn ihr bereit seid, geht ihr auf den Balkon oder in den Garten und verbrennt jeden Einzelnen. Übergebt die Asche dem Wind oder eurer Lieblingspflanze in die Erde. So löst ihr euch von dem Vergangenen und könnt euch neuen Gedanken zuwenden. Damit schließt ihr einen Zyklus ab.

Nun nehmt ihr dreizehn weitere Zettel. Dort schreibt ihr eure Vorsätze für das neue Jahr auf. Dreizehn Ziele und Wünsche für das neue Jahr. Pro Zettel ein Ziel! Dann faltet ihr sie so, dass ihr nichts mehr lesen könnt. Die gefalteten Zettel kommen in die Schale und dort bleiben sie bis zum 24. Dezember. In der Nacht vom 24. zum 25. Dezember zieht ihr den ersten. Ihr lest nicht, was auf dem Zettel steht, sonder schreibt nur die Zahl »1« oder »Januar« darauf. Diesen Zettel legt ihr beiseite. (Ich werde sie in den Umschlägen in meinem Tagebuch lagern.) Täglich zieht ihr einen und nummeriert sie. In der Nacht vom 5. zum 6. Januar hast du dann den dreizehnten Zettel. Dies wird das Schlüsselthema im ganzen Jahr sein. Am 06. Januar könnt ihr dann alle Zettel entfalten und schauen, welches Thema in welchem Monat relevant wird.
Dieses Ritual soll euch helfen eine Ausrichtung zu finden, Punkte wo ihr anknüpfen könnt, um das neue Jahr zu bestreiten.

- Ich habe mir Musik und Lektüre rausgesucht und vorbereitet. Im folgenden Link könnt ihr meine öffentliche Playlist auf Youtube finden. Rauhnacht-Playlist
Vielleicht gefällt euch meine Auswahl und ihr möchtet sie nutzen.

Versucht euch nicht zu verbiegen. Wählt für eure Rauhnächte die Dinge, die für euch angenehm sind und die zu euch passen. Auch wenn ihr nicht die große Erleuchtung erhaltet, so habt ihr Zeit euch mit Dingen zu beschäftigen, für die im Alltagsleben keine Zeit ist. Versucht es einfach Mal. Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen.

Eure Anki

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen