Sonntag, 4. Februar 2018

Auf der Suche nach dem Licht - Lichtmess/Imbolg




Wenn's an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit.

Es hat zwar nicht gestürmt, aber es hat in der Nacht vom 03. zum 04. Februar geschneit. Auch der riesige und strahlende Vollmond Ende Januar, kündete von Licht und gutem Wetter. Also erhoffe ich mir schon bald den Frühling.

Heute ist der Sonntag nach dem 02. Februar, dem eigentlichen Lichtmesstag. Es ist der perfekte Tag für dieses Fest. Es ist kalt, die Sonne strahlt, der Schnee glitzert und knirscht unter meinen Füßen. Durch den Schnee scheint die ganze Atmosphäre zu strahlen.
Auch wenn Mariä Lichtmess (oder einfach nur Lichtmess) heute eher ein Nebenfest des Christentums ist, so war der 02. Februar in den bäuerlichen Gegenden ein besonderer Tag. Die Bediensteten feierten das Ende des Arbeitsjahres bei ihren Herren und wechselten oft in ein neues Arbeitsverhältnis. Die Bauern nahmen am folgenden Tag, nach der Winterpause, ihre Arbeit wieder auf.
Lichtmess gilt auch als letzter Tag des Weihnachtsfestes: Die Weihnachtskrippen wurden abgebaut, der Christbaumschmuck endgültig abgenommen und verpackt oder der Tannebaum verfeuert. Im Rahmen feierlichen Lichterprozessionen wurden weiße Gebetskerzen, schwarze Wetterkerzen und Kräuter geweiht.

Lichtmess ist zwar ein christliches Fest, ...

... aber es ist keine christliche Erfindung. Wie viele andere wichtige Jahresfeste hat auch dieses Fest eine Entsprechung in vorchristlicher Zeit. Schon im alten Rom gab es am 14. Februar ein großes Reinigungs- und Sühnefest, welches angeblich vom Romulus, dem Begründer der Stadt, selbst eingeführt wurde. Auch hier wurden Kerzen geweiht und es gab Lichterprozessionen. Das Christentum interpretierte das Fest "als Taufe Jesu" neu.
Aber warum am 14. Februar? Lichtmess ist doch am 02. Fabruar?



Zunächst wurde Lichtmess am 14. Februar gefeiert - und zwar von den Kelten. Diese feierten allerdings das Fest Imbolg: Ein Fest zu Ehren der keltischen Muttergöttin Brigid. Für mich persönlich eigentlich das interessantere Fest.
Für die Kelten ist Imbolg das Lichterfest der Hoffnung und war einst das Fest der Herden und der Fruchtbarkeit. Es liegt ziemlich genau zwischen Wintersonnenwende und Frühjahrs-Tagundnachtgleiche.
Es wurde die Göttin Brigid geehrt. Ihr zu Ehren gaben die Kelten ihr ein irisches Heiligtum: Ein heiliges Feuer in Kildare. Brigid steht für Licht und Feuer. Sie ist die Behüterin der Dichter und Sänger, Göttin der Heiler und Patronin der Druiden. Als „große Mutter“ schützt sie die Famlie, das Haus, das Vieh und die Ernte. Sie ist die Göttin der Flüsse und Bäche und jedes Jahr am 01. Februar erweckte sie die erstarrte Erde zu neuem Leben.
Und dies ist natürlich Anlass für die Menschen zu feiern. Alle Lampen und Kerzen werden in dieser Zeit im Haus entzündet, es werden Freudenfeuer abgebrannt und Kräuter gesegnet. Ein Erwachen der Hoffnung ist deutlich spürbar: Die Dunkelheit ist überwunden, das Licht gewinnt an Kraft. Es herrscht eine Aufbruchstimmung in der Natur und wird auch dein Herz mit neuer Zuversicht und Lebenskraft nähren. An einem wahrlich schönen Wintertag wie dem heutigen Sonntag, strahlt mein eigenes Gemüt, ganz wie die Sonne am blauem Winterhimmel. 



Mein Imbolg - ein Tag voller Licht und Kultur

Vor ein paar Wochen besuchten mein Freund und ich das unweit von Schönebeck befindliche Ringheiligtum von Pömmelte. Eher durch Zufall erfuhren wir, dass in diesem Jahr dort Lichtmess gefeiert wurde. Diese Kreisgrabenanlage ist ein ritueller Ort, der auf das Ende des 3. Jahrtausends v. Chr. datiert wird. Also ein perfekter Ort für ein Jahreskreisfest und eine gute Möglichkeit ein Stück reginaler Kultur den Menschen ins Bewusstsein zu rufen. Beim ersten Besuch waren mein Freund und ich ganz alleine da, es wirkte trotz Sonne und starkem Wind wie ausgestorben. Doch heute, am 04. Februar, war Leben auf den weiten Feldern. Es waren viele Menschen da, die sich für diesen Ort und dessen Geschichte interessierten, die sich alle gemeinsam am wunderbar sonnigen Tag erfreuten und etwas über das Lichterfest erfahren wollten. Und ich hoffe, dass diese Aufmerksamkeit der noch recht jungen Station der archäologischen Tourismusroute "Himmelswege", zu der auch die Arche Nebra gehört, gut tut.




Das "deutsche Stonehenge"...

... hat einen Durchmesser von etwa 115 m. Der Kreisgraben, bei dem es sich um einen Kultplatz vom Ende des 3. Jahrtausends v. Chr. handelt, weist einen Durchmesser von etwa 80 m auf. Ausgrabungen in Sachsen-Anhalt zeigen, dass die Menschen bereits seit Jahrtausenden den Himmel beobachten und deuten. Ähnlich wie für die Himmelsscheibe von Nebra und Goseck ist auch für Pömmelte-Zackmünde eine astronomische Komponente belegt. Hier liegt das Hauptaugenmerk auf zwei der Zugänge im Osten und Westen. In diesen kann zu den überlieferten Jahresfesten der Sonnenauf- und -untergang beobachtet werden. Derartige Anlagen belegen Kulturpraktiken und Glaubensvorstellungen am Ende der Jungsteinzeit und der frühen Bronzezeit - hauptsächlich der Glockenbecherkultur (2500–2200 v. Chr.) und der Aunjetitzer Kultur (2200–1600 v. Chr.) der frühen Bronzezeit.

Am Tor blicken weiße Holzschädel auf den Besucher herab. Ob die Geister unsere Ahnen uns über solche Kunst bebachten konnten? In die leuchtend rote Pfähle wurden unter anderem Symbole für Äxte geschnitzt. Man findet geheimnisvolle Gräben und Symbole für Himmelskörper. Auf einer Reihe von großen hölzernen Tafeln zeichnen sich mystische Zeichen ab. Offenbar haben unsere Vorfahren ihre religiösen Bräuche an den Geschehnissen in der Natur ausgerichtet. 




Es ist also nicht abwegig...


... diese alten Feste in die moderne Zeit zu transferieren. Gerade dies ist wichtig, um sich seiner Herkunft und seiner Kultur bewusst zu werden. Daher gab es es zur Einleitung des Lichtmessvormittages den obligatrischen Vortrag zur Geschichte des Heiligtums, der Herkunft des Festes und der Ursprünge von Imbolg. In einer Winterwunderwelt auf archäologisch wertvollen Grund und unter einer strahlenden Wintersonne tauchten wir in die kulturelle Welt unserer Ahnen ein.
Ein großes Feuer gab es nicht. Dafür sorgte eine Feuersshow mit stimmungsvoller Musik für die nötige Mystik. Sie brachte nicht nur zusätzliches Licht, sondern auch Wärme zu den Menschen.
In mir löste es eine große Freude und Zufriedenheit aus. Auch wenn die Sonne mich blendete, so genoss ich die warmen Sonnenstrahlen und konnte die Zuversicht meiner Vorfahren wahrlich nachempfinden. Es ist die Magie des Moments, die einem regelrecht mit sich fortzieht. Dieses neugefundene Licht, trat nun den Kampf gegen die winterliche Kälte an. Die Tage wurden länger und neues Leben kam in Haus und Garten und auf die Felder. Man muss sich einfach mal Vorstellen, was die Aussicht auf den Frühling in den Bauern ausgelöst hatte: Schließlich fieberten sie dem Ende des Winters, um nedlich wieder neues Saatgut für ihr Überleben ausäen zu können.
 Probleme, denen wir uns in Zeiten von Supermärkten und Onlineversand nicht mehr wirklich bewusst sind. Auf der Suche nach dem Licht und neuwerweckten Leben, begibt man sich nicht nur auf den Weg von Naturzyklen, sondern auch auf eine Reise zu sich selbst.



In diesem Sinne:
Is fheàrr teine beag a gharas na teine mòr a loisgeas.
(Das kleine Feuer, das dich wärmt, ist besser als das grosse Feuer, das brennt. - Gälisches Sprichwort.)

Eure Anke

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