Sonntag, 25. März 2018

Ein kleines Stückchen grünes Leben.




Nun ist auch laut dem Kalender Frühling. Obwohl das Wetter sich noch nicht so ganz entscheiden kann. Daran kann man einmal wieder sehen, dass die Natur sich nicht nach einm Datum richtet. Der Winter ist noch sehr beharrlich dieses Jahr. Mitteldeutschland versinkt im Schneechaos ... ein paar Tage später ist alles wieder weggetaut, es herrscht strahlender Sonnenschein und die Temperaturen schnellen nach oben. Schon seit den ersten Sonnenstrahlen, juckt es dem Hobbygärtner und Naturfreund in den Fingern: Endlich wieder den süßen Duft der vielen Blüten in der Nase, ein laues Lüftchen im Nacken und wieder Erde unter den Fingernägeln. Auch Julia und mich verfolgt eigentlich schon seit Weihnachten die Vorfreude auf das neue Gartenjahr. Dies nehmen wir zum Anlass ein wenig in Erinnerungen zu schwelgen, uns Pläne für die kommende Saison zu machen und zu überlegen, was uns ein eigener Garten eigentlich bedeutet.



Jule's grünes Reich

Meine Großeltern haben schon immer einen großen Garten an ihrem Haus gehabt. Als ich klein war, stand darin eine Schaukel und eine Rutsche. Im Gras habe ich mit Barbies gespielt und Ketten aus Gänseblümchen gebastelt.
Damals hat meine Oma mir eine Ecke des Gartens überlassen, damit ich auch etwas anpflanzen kann. Ich war viel zu ungeduldig: schon nach wenigen Wochen habe ich die Möhren aus der Erde gezogen um zu schauen, wie groß sie schon sind. Wirklich groß waren sie nicht, dafür zuckersüß.
Mein Gartenprojekt damals geriet schnell in Vergessenheit - als ich alle kleinen Möhren gegessen hatte, war es mir irgendwann zu langweilig.
Inzwischen hat meine Oma Alzheimer und kann sich nicht mehr um den Garten kümmern und mein Opa ist körperlich nicht mehr dazu in der Lage. Ich hatte mit Anki in Gartenbüchern gestöbert und dachte: wie cool wäre es, einen Garten zu haben? Ich habe also meinen Opa gefragt, ob ich bei ihm nicht einfach etwas buddeln darf. „Ja, klar. Mach was du willst“, war seine Antwort. „Mach was du willst“ ist bei Großeltern immer mit Vorsicht zu genießen. Wir haben nämlich verschiedene Ansichten darüber, wie ein Garten aussehen soll. Als er eine von seinen Pflegerinnen gebeten hat Rasen zu mähen - und die mein kleines Minzfeld abgesägt hat - gab es Ärger. Seitdem darf ich wirklich machen, was ich möchte. Für mich muss ein Garten ein wenig wild sein. Das Gras höher, damit dazwischen auch ein paar Blumen wachsen.
Im ersten Jahr baute ich an: Spitzkohl, Kohlrabi, Erdbeeren, Salat, Kräuter, Zucchini, Auberginen, Radischen und Möhren an. Ich bin die Zucchini-Göttin, aber für Möhren bin ich immer noch zu ungeduldig. Jeden zweiten Tag war ich im Garten. Es musste gegossen, umgegraben und geerntet werden.
Letztes Jahr war ich zu Beginn der Gartensession hoch schwanger. Da gab es dann nur ein paar Blumen, die ich gepflanzt habe und ein paar Erdbeerpflanzen. Und Rasenmähen. Mein Beet lag brach, wir haben es hin- und wieder mal umgegraben, damit es nicht zuwuchert. Aber jetzt habe ich die Saattütchen schon wieder in der Schublade. Ich freue mich darauf, Pflänzchen in Eierkartons auf der Fensterbank vorzuziehen, sie umzutopfen und dann im Garten auszuwildern. Ich liebe es, Dingen beim Wachsen zu zusehen. Die kleinen Pflänzchen sind meine Babys. Dieses Jahr will ich den Garten noch Bienen und Hummel freundlicher gestalten. Die Tiere sollen in unserem Garten nicht nur Nahrung finden, sondern auch einen Rückzugsort haben.
Und es gibt nichts Schöneres, als auf einen Garten zu schauen und zu wissen, dass es das eigene Werk ist.
Ich werde mich wieder an Möhren versuchen. Ich kann sie ja dann zusammen mit meinem Söhnchen aus der Erde ziehen, wenn sie noch nicht groß, aber zuckersüß sind.





Bei Anki im Grünen

Seit ich mich erinnere, besaßen meine Eltern einen Kleingarten. Er war an sich wenig spektakulär, lag zwischen den Bahngleisen und einer Straße. Und trotzdem ... Dies war ein Stück Kleinod, in den wir flüchten konnten, hinaus aus dem Troubel der Stadt. Natürlich hatte ich als heranwachsendes Kind und Teenager nicht immer Lust. "Och, schon wieder in den Garten?" Doch die meiste Zeit habe ich es genossen. Als Kind habe ich viel gespielt und im Dreck gewühlt. Je älter ich wurde, desto wichtiger wurden meine Aufgaben: Wer sonst hätte den Teich bereitwillig von all den Algen befreit? Oder wer war die Leichteste und musste auf das Laubendach klettern? Das war dann wohl ich! ;)
Zudem gab es nichts Schöneres mit einem Glas Cola, einem guten Buch oder entspannende Musik im Ohr auf der Wiese zu liegen und die Sonne zu genießen? Für die großen Kinder gab es sogar eine Tischtennisplatte (die uns allen eigentlich zu niedrig war), einen Grill und ein Planschbecken.
Ich weiß gar nicht, wie lange wir den Garten letztlich hatten... Ich war noch in der Grundschule, da hatten wir den schon. Das werden wohl gute zehn Jahre gewesen sein. Und gäbe es die gesundheitlichen Gründe nicht ... wer weiß ... vielleicht hätten meine Eltern den Garten auch heute noch?

Damals war mir die Bedeutung eines Gartens noch nicht so bewusst wie heute? In all den Jahren habe ich mich verändert und nehme mein Leben bewusster wahr. Lange Zeit habe ich mich gar nicht mit diesen Dingen beschäftigt, bis ich bei einem Unipraktium auf eine junge Frau traf, die dort ebenfalls ein Praktikum absolvierte. Wir hatten viel Zeit über unsere Leben zu plaudern. Irgendwann kamen wir auf die Themen "selber Brot backen" und "Balkongärtnern". In meinen Wohnungen hatte ich bisher immer einen Balkon und irgendwie wollte ich etwas daraus machen. Gesagt, getan. Ich erschuf mir mein eigenes kleines grünes Reich. Seitdem ist meine Buchsammlung nicht nur um einige Gartenbücher reicher geworden, sondern auch mein Erfahrungsschatz. Ich habe viel Freude daran die Pflanzen wachsen zu sehen und den Prozess fotografisch festzuhalten. Und meine Eltern freut es jedes Mal, wenn ich neue Fotos via Whats App schicke.




Und nun wohne ich mit meinem Verlobten in einer hübschen Wohnung MIT Balkon und schaue tagtäglich auf eine Kleingartenanlage. Vor allem im Sommer gerät man dann schon ins schwärmen und träumt von einem eigenen Garten. Einen Garten zum Entspannen, zum Kräuter und Gemüse anbauen und für lustige Grillabende mit Freunden. Es juckte mir schon lange in den Fingern, denn aus meiner Familie kenne ich es nicht anders. Alle haben bzw. hatten einen Garten: meine Eltern, mein Onkel, meine Oma und meine Schwiegereltern. Wahrscheinlich liegt es mir im Blut. Heute frage ich mich manchmal, warum ich beruflich nicht in diese Richtung gegangen bin?
Idealer kann es eigentlich gar nicht sein. Wir könnten zu Fuß in den Garten, einfach so, ohne ewig weit fahren zu müssen. Ohne einen ewigen inneren Kampf mit dem Schweinehund. Ein eigenes kleines Stück Land, in dem wir uns selbst etwas verwirklichen können. Für mich bedeutet es in erster Linie Entspannung und Unabhängikeit. Natürlich ist das Bewirtschaften eines Garten ein ganzes Stück Arbeit, aber dafür kann man dann die Früchte jener Arbeit ernten. Für einen reinen Selbstversorgergarten sind weder die Gegebenheiten ideal, noch unsere Essgewohnheiten. Wir mögen bzw. vertragen nicht jedes Gemüse, in so einem Schrebergarten gibt es viel zu wenig Platz dafür und zudem sind wir beide berufstätig.
Nichtsdestotrotz wollen wir uns an das Projekt Kleingarten heranwagen. Man tut sich schlißelich nicht nur selbst etwas Gutes, sondern auch seiner Umwelt. Nicht nur ich will einen Ort der Ruhe finden können, sondern auch Vielerlei Vögel, Insekten und sonstige Kleinlebewesen.



Und heute...


... war der große Tag. Wir haben uns in der Gartenanlage vor unserem Haus einen Garten angeschaut. Wir haben viele hübsche Kleingärten gesehen, aber auch erkennen müssen, was mit Gärten passiert die über Jahre brach liegen. In dem einen war die Laube schwarz vor Schimmel, in dem anderen haben wir in der Laube Dornröschen vermutet - so dicht rankten die Dornenbüsche in den Weg. Es war kein Durchkommen. Aber dann! Einen Garten gab es noch. Dieser wurde letztes Jahr abgegeben, hat ein relativ neues - und dichtes!!!! Dach - und eine große Laube. Mein Verlobter und ich haben uns angesehen udn es war beschlossen. Besser könnten wir es nicht haben: auf der einen Seite unserer Wohnung und auf der anderen Seite Kaufland. Dem Grillen steht nichts mehr im Wege.
Auf dem ersten Blick ist es ein schöner geräumiger Garten. Vielerlei Obstbäume können wir nun unser Pachteigen nennen (Apflen, Aprikose und Kirsche - glauben wir). Zudem gibt es die gute Bördeerde zum anbauen. Etwas mehr Rasen könnte der Garten vertragen: einen Wildwiese, damit die Bienen etwas zum Naschen haben. Ein Teich muss auch her, damit auch Frösche ein Zuhause finden. Ich freue mich schon auf die Planung und das Ausgestalten des Gartens. Wenn alles ausgemessen  und eine Bestandsaufnahme gemacht worden ist, kann es losgehen. Und das Wichtigste Überhaupt: selbst mein Papa mit seinem Rollstuhl kann relativ bequem in unser neues Reich rollen. Das wird schon toll!



Wie es mit meinem neuen Garten weiter geht und wie es bei Julia im Grünen ausschaut, erfahrt ihr in den nächsten Beiträgen.
Also schaut immer mal wieder rein!

Eure Julia und Anki

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